Das Designstudio Phoenix Design hat seit Gründung im Jahr 1987 mehr als 400 Designauszeichnungen erhalten. Auch das von Ihnen entworfene ‚System 800’ wurde bereits zweimal prämiert und für den ‚Designpreis der Bundesrepublik Deutschland’ nominiert. Wie gelingt es Ihnen immer wieder, preiswürdige Produkte zu entwickeln?
Andreas Haug: Es freut uns stets aufs Neue, für unsere Gestaltung Preise zu bekommen. Dass unsere Produkte regelmäßig ausgezeichnet werden, hat sicherlich mehrere Gründe. Es mag daran liegen, dass wir Design nicht als große Geste auffassen, sondern im Gegenteil auf eher unspektakuläre Weise in den Dienst des Menschen stellen. Wir möchten erreichen, dass die Menschen die von uns gestalteten Dinge begeistert nutzen und als komfortabel empfinden. Daher entwerfen wir Produkte, die sich gut anfühlen, leicht zu handhaben und ansprechend gestaltet sind. Das ‚System 800’ ist ein sehr gutes Beispiel für unseren Designansatz.

Das ‚System 800’ ist auch ein gutes Beispiel für Produkte, die der Idee des „Universaldesign“ folgen: Dinge, die generationenübergreifend und auch von Menschen mit Handicap genutzt werden können. Könnten Sie uns den Entwurfprozess beschreiben?
Tom Schönherr: Als wir das ‚System 800’ entwarfen, fragten wir uns zuerst: Was macht ein Bad komfortabel? Wie sollten Dinge gestaltet sein, die von mehreren Generationen genutzt werden? Wie lässt sich die Funktion und Ergonomie mit einer sympathischen und emotionalen Formensprache verbinden? Mit seinen zahlreichen Komponenten ist das ‚System 800’ ein komplexes System, das auch ein ausgewogenes Erscheinungsbild haben sollte. Produkte im Sinne des Universal Designs zu entwerfen, heißt für uns, dass wir einen Schwerpunkt darauf legen, die Dinge besonders ergonomisch, komfortabel, stabil und pflegeleicht zu gestalten. Auch die Sicherheit spielt eine Rolle. So haben wir beispielsweise einen Hocker entwickelt, der mit 150 Kilogramm extrem belastbar ist und trotzdem sehr leicht und ästhetisch wirkt. Oder nehmen Sie das Waschbecken mit den beiden Komfortgriffen. Jemand, der nicht sicher auf seinen Beinen steht, kann sich daran festhalten und heranziehen. Wir haben die Serie so konzipiert, dass sie sich auch in barrierefreien Bereichen einsetzen lässt.

Wie ist es Ihnen gelungen, eine Designsprache zu entwickeln, die unterschiedliche Zielgruppen begeistert?
Andreas Haug: Ich würde sagen, es liegt an unserem „emotionalen Purismus“. Wir haben für sämtliche Komponenten des ‚Systems 800’ eine klare gestalterische Linie gefunden, die jedoch nicht streng wirkt, ganz im Gegenteil. Charakteristisch sind die weich gerundeten Kanten und die hochwertigen Materialien und Oberflächen. Die Entwürfe sollen im Raum eine selbstverständliche und unaufdringliche Präsenz haben. Für uns ist es wichtig, dass sich die Form aus der Funktion heraus entwickelt. Betrachten Sie zum Beispiel den Haltegriff: Die sanft geschwungene, in der Innenseite dünner werdende Form entsteht aus der ergonomischen Anforderung heraus, beim Greifen Sicherheit und ein haptisch angenehmes Erlebnis zu vermitteln. Der Griff schmiegt sich in die Handfläche. Wir sind davon überzeugt, dass diese angenehme Produkterfahrung notwendig ist, um Menschen zu überzeugen und lange mit einem Produkt zu leben.

Der Leitsatz Ihres Designstudios lautet „Logik, Moral und Magie“. Ist das ein Leitsatz, dem Sie konsequent folgen?
Tom Schönherr: Ja. Dieser Leitsatz ist für uns verbindlich. Er ist jedoch nicht aufgesetzt, sondern entsteht selbstverständlich aus unserer Haltung heraus. Im Begriff der Logik steckt unser Anspruch an Funktion und Ergonomie. In der Moral kommt zum Ausdruck, dass wir langlebige, Ressourcen schonenende und nachhaltige Produkte gestalten. Die Magie – und das ist ein wichtiger Aspekt – macht ein Produkt begehrenswert. Man möchte es haben und nicht mehr darauf verzichten. Das beantwortet auch die Frage, wie es möglich ist, Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen für das ‚System 800’ zu begeistern.
Weitere Informationen zum System 800 von HEWI finden Sie hier.
