Der Designer Reiner Moll entwirft seit 20 Jahren für Villeroy & Boch
Es war im Herbst 2006. Reiner Moll (hier links im Bild) feierte gerade mit der Ausstellung „Position 35“ am Firmenstandort Schwäbisch Gmünd das 35-jährige erfolgreiche Bestehen von .molldesign. Einer der Laudatoren bei der Veranstaltung war Firmenchef Wendelin von Boch (hier rechts im Bild). Die Zusammenarbeit mit dem Traditionsunternehmen Villeroy & Boch währte damals 17 Jahre, und sie hatte manche wegweisende Erfolgsserie hervorgebracht.
„Reiner Molls Arbeit und die seines Teams, seine Kreativität, sein Einfühlungsvermögen, sein Geschick haben ganz entschieden dazu beigetragen, dass Villeroy & Boch heute ein wesentlich anderes Image hat, als vor 1989, dass sich eine neue, jüngere Handschrift entwickeln konnte“: So sprach Wendelin von Boch über Reiner Moll.
Zwischen Auftraggeber und Nutzer
Es hätte kaum ein besseres Statement geben können, das so klar und knapp die Wechselbeziehung zwischen Auftraggeber, Designer und Nutzer beschreibt. Denn was Moll als „Strategisches Design“ bezeichnet ist nichts anderes, als die Bedürfnisse des Herstellers bezüglich der Fertigung und des Markenbildes sowie die Bedürfnisse des Kunden nach Gebrauchswert und Emotionalität gleichermaßen zu berücksichtigen. Im Produkt spiegeln sich Zeitgeist und Identität. Das Design bestimmt der Mensch. Dabei geht es Moll, dem traditionellen vom Bauhaus ausgehenden Design verbunden, nie um oberflächliche „Kosmetik“, sondern um die reine Lesart: reduziert bis minimalistisch, werthaltig, langlebig, den Anforderungen entsprechend funktional aber auch emotional.
Auf dieser Basis fasste .molldesign Fuß bei Villeroy & Boch und trug dazu bei, dass im Laufe der Jahre und mit schöner Regelmäßigkeit ein Designpreis nach dem anderen die Sanitärprodukte schmückte.
Die Karriere beginnt mit Wagenfeld
Am Anfang der Designkarriere von Reiner Moll stand eine Sanitärzelle für die Bahn. Sie war seine Diplomarbeit an der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd, die der gebürtige Geislinger bei Prof. Karl Dittert absolvierte. Auch wenn viele Designer nicht mit Künstlern verwechselt werden wollen, so sieht Reiner Moll dies ganz anders und hat während des Studiums auch Bildhauerei bei Prof. Fritz Nuss belegt. Das Modellieren hat ihm stets ein gesteigertes Gefühl für Form und Harmonie vermittelt. Dies war auch mit die Entscheidung für den eigenen Modellbau um die entworfenen Produkte dreidimensional zu bewerten.
Schon in jungen Jahren schaute der Schüler Reiner Moll seinem Vater bei WMF über die Schulter. Ihn faszinierte der im Elternhaus allgegenwärtige Industriegestalter Wilhelm Wagenfeld. Dessen Aufsätze über die „nachhaltige Wirkung von Industrieerzeugnissen auf die Kultur unserer Gesellschaft“ waren Anlass, selbst Formgestalter zu werden.
Bereits in den ersten Berufsjahren entwickelte sich der bis heute von Neugier Getriebene zum Generalisten des Produktdesigns. Aus seinem Studio stammen Türklinken und Lichtschalter, Friseurwaschtische und Heizungskessel, Leuchten und Tafelaccessoires, Sitzmöbel und Büroeinrichtungen, Kühlschränke und Küchen, Konferenzbestuhlung und das Cockpit eines Pistenbullys, HiFi-Geräte und eben Bäder, Sanitätkeramik, Badaccessoires, Badmöbel, Wannen und Duschen.
Der Mensch bestimmt das Design
Was bewegt nun einen Designer, wenn er beispielsweise den Auftrag für eine neue Badserie erhält? Die permanente Beschäftigung mit den Werten der Gesellschaft, mit dem Wertewandel, den Trends und dem Lebensgefühl ist Grundlage für jede neue Gestaltung. Das Badezimmer wird zum Raum der Regeneration. Es wird Lebensraum und definiert sich weit über das bloße Reinigungsritual hinaus. In den letzten Jahren hat Reiner Moll ein zunehmendes Bedürfnis der Menschen nach Geborgenheit, nach Rückzug, nach Klarheit und Romantik festgestellt. Dem entspricht seine Philosophie des Ovalismus, einer dem Ei abgeleiteten Formensprache, die dem Cocooning Ausdruck verleiht.
Moll betrachtet die Kulturgeschichte des Hauses, insbesondere der Küche und des Bades. Er bezieht Gestalt und Seele des Wassers ein. Daraus ergibt sich zum Beispiel eine dem natürlichen Wasserschwall nachempfundene Austrittsöffnung des Wasserhahns oder die unterschiedlichen Ebenen eines extrem flachen Waschbeckens. Er ist überzeugt: „Menschen wünschen sich Produkte, die Vergnügen bereiten, wenn man sie ansieht, berührt und benutzt, gerade bei alltäglich verwendeten Gegenständen. Die Geschmeidigkeit beim Berühren einer Keramik, das technisch perfekte Öffnen eines Schrankauszugs, die raffinierte Verdeckung des Wasserablaufs oder die geschwungene Formschönheit einer Badewanne: Das Design dient dem Menschen in seiner Gänze. Wichtig sind taktile Unterschiede zwischen der glatten, hygienischen Keramik und z. B. dem Holz der Möbel, diese unterschiedlichen Texturen erzeugen ein haptisches Erlebnis für den Benutzer.“
Ende der 80er Jahre war für die anspruchsvolle Badgestaltung noch das stilistisch Verbrämte gefragt. Mit .molldesign änderte sich auch bei Villeroy & Boch die Handschrift. Klare Linien und Formen, Leichtigkeit zeichneten sich bereits 1990 mit dem Badmöbelprogramm „Select“ und 1991 mit dem Schrankwaschtisch „Virage“ ab. 1991 wurden Reiner Moll und seine zehn Mitarbeiter zum „Designteam des Jahres“ gewählt.

Im Sinne modernen Nomadentums schuf .molldesign Soho NY, den Waschtisch mit rückwärtigem Spritzschutz: schnell montiert, schnell abmontiert, nach jedem Umzug perfekt angepasst. Soho läutet um die Jahrtausendwende die Erfolgsgeschichte der Metropollinie ein, die maßgeblich von Reiner Moll geprägt wurde und für Villeroy & Boch international der Erfolgsträger ist.
Inzwischen hat sich der Anspruch an das Bad geändert. Einerseits bestimmen die Sehnsucht nach Klarheit als Kontrapunkt zur Reizüberflutung des Alltags und andererseits die Lust auf Romantik das Design. Die Ästhetik erfüllt eine wichtige Stützfunktion für das Individuum. Mobilität und Selbstbestimmung in allen Lebenslagen fordern nicht nur Phantasie und gestalterisches Können sondern auch die Technik. Die Kollektion „Lifetime“ ist barrierefrei und ästhetisch. Schwenkbarer Schrank, unterfahrbarer Waschtisch, eleganter Haltegriff, raffinierte Lichttechnik und optimale Ressourcennutzung gehören in ein Programm, das in seiner unaufdringlichen Art tägliches Wohlgefühl vermittelt.

Jetzt, nach 20 Jahren Zusammenarbeit zwischen Villeroy & Boch und .molldesign, setzt der renommierte Designer mit der umfassenden Badkollektion „ La Belle“ und den Armaturen „La Fleur“ erneut Akzente im Premiumsegment. Hierin begegnen sich Markenbewusstsein und Verlässlichkeit mit epochaler Schönheit. Reiner Moll bekennt: „Unsere Arbeiten prägen die Kultur unserer Tage und behalten auch morgen noch ihre Gültigkeit“.
Kontakt:
www.molldesign.de