„Ein Badezimmer sollte ein Ort sein, an dem man entschleunigt.“


Das Bad gewinnt als persönlicher Rückzugsort zunehmend an Bedeutung. Gerade in einem Alltag voller Eindrücke kann ein bewusst gestalteter Raum dabei helfen, zur Ruhe zu kommen und den Moment aufmerksamer wahrzunehmen. Flora Immler stellt deshalb nicht einzelne dekorative Höhepunkte in den Mittelpunkt. 

Entscheidend ist die gesamte Raumwirkung. Auch freie Flächen übernehmen eine gestalterische Aufgabe. Dieses japanische Prinzip wird als „Ma“ bezeichnet und beschreibt die Bedeutung des bewusst freigelassenen Raums.

Die Elemente

Zum Raumkonzept gehören ein zurückhaltend integriertes WASHLET von TOTO, eine Badewanne als Mittelpunkt der Regeneration, Waschtische, ein geschützter Duschbereich sowie sorgfältig geplante Übergänge und Stauraumlösungen. Holz, Naturstein, Kalk- oder Lehmputz, warme Farbtöne und indirektes Licht prägen die ruhige Atmosphäre.

Flora Immler

Sie ist Innenarchitektin, Japanexpertin und Gründerin von studio ukiyo. Ein Teil ihrer Familie stammt aus Taiwan, sodass asiatische Kultur bereits früh zu ihrem persönlichen Umfeld gehörte. Während ihres Studiums beschäftigte sie sich intensiv mit japanischer Architektur und Gestaltung, entwickelte ihre Abschlussarbeit mit Bezug zu Japan und vermittelt ihr Wissen heute auch in Vorträgen.

Das Ankommen

Der Übergang in das Badezimmer kann bewusst als Wechsel vom Alltag in einen geschützten Bereich gestaltet werden. Materialwechsel, Podeste, Nischen oder eine veränderte Beleuchtung schaffen bereits beim Betreten ein Gefühl des Ankommens.

Solche Zonierungen lassen sich auch in kleineren Badezimmern umsetzen. Eine Nische im Duschbereich, ein gemauertes Element oder eine andere Oberfläche grenzen Bereiche optisch. 

Die Badewanne

In der japanischen Badkultur erfolgt die gründliche Reinigung zunächst unter der Dusche. Das anschließende Bad dient nicht dem Waschen, sondern der Erholung. Die Badewanne wird dadurch zu einem Ort des bewussten Innehaltens. Das von studio ukiyo entwickelte Konzept greift dieses Ritual mit einem reduziert gestalteten Badebereich auf. Die Zero Dimension Badewannen von TOTO passen perfekt dazu. 

Die Materialien

Holz, Stein, Kalk- und Lehmputz verleihen dem Japanbad einen natürlichen und zeitlos eleganten Charakter. Sichtschutzelemente aus Washi-Papier können das Licht sanft filtern und einzelne Bereiche voneinander abgrenzen.

Warme Naturtöne sorgen für Geborgenheit, während ausgewählte Kontraste dem Raum Tiefe geben. Wo natürliche Materialien nicht eingesetzt werden können, bieten hochwertige Dekore eine ruhige Alternative. Wichtig bleibt ein stimmiges Gesamtbild, in dem Oberflächen und Farben aufeinander abgestimmt sind.

Das Washlet

Dusch-WCs gehören in Japan längst zum Standard. Rund 75 Prozent der privaten Haushalte verfügen dort über ein Modell. Seine zurückhaltende Formensprache fügt sich ruhig in die Architektur des Japanbades ein. Die Technik tritt gestalterisch in den Hintergrund, während Funktionalität und angenehme Nutzung im Mittelpunkt stehen. Flora Immler sieht darin eine wichtige Gemeinsamkeit zwischen ihren Raumkonzepten und den Produkten von TOTO: Beide konzentrieren sich auf Klarheit, Reduktion und das Wesentliche.

Das Licht

Licht erfüllt im Japanbad weit mehr als eine praktische Funktion. Warmweiße, indirekte und dimmbare Beleuchtung unterstützt die entspannende Wirkung des Raumes. Unterschiedliche Lichtstimmungen können zugleich einzelne Zonen hervorheben und Orientierung schaffen.

Auch natürliches Licht spielt eine wichtige Rolle. Sichtachsen zu einem Garten oder in den Außenraum lassen die Natur zum Teil der Badezimmergestaltung werden. Im Laufe des Tages verändern Licht und Schatten die Atmosphäre und verleihen dem Raum eine lebendige Ruhe.

Das Badezimmer ist für mich einer der emotionalsten Räume im Zuhause und gleichzeitig einer der unterschätztesten. Dort beginnt und endet der Tag. Gerade in einer Welt, die immer schneller und fordernder wird, brauchen Menschen Rückzugsorte, die Ruhe vermitteln.

Viele Bäder in Deutschland sind sehr funktional gedacht: hell ausgeleuchtet, weiß, hygienisch, technisch. Ich finde aber, ein Bad sollte auch Wärme und Geborgenheit ausstrahlen. Licht spielt dabei eine enorme Rolle, besonders indirektes, warmes Licht. Auch Naturmaterialien oder ruhige Oberflächen verändern die Atmosphäre komplett.

Gerade kleine Bäder brauchen bewusste Entscheidungen. Oft versucht man, zu viele Funktionen auf engem Raum unterzubringen. Dabei gewinnt ein Bad enorm, wenn man reduziert und klar priorisiert.

Ich analysiere zunächst immer die tatsächlichen Bedürfnisse meiner Kunden: Wo sollen Handtücher liegen? Wie viel Stauraum wird wirklich gebraucht? Was soll sichtbar sein, was nicht? Wie bewegen sich Menschen im Raum?

Durch solche Fragen entstehen oft bessere Lösungen als die klassischen Standards. Manchmal ist es sinnvoll, Stauraum aus dem Badezimmer herauszunehmen und beispielsweise im angrenzenden Flur unterzubringen. Dadurch gewinnt der Raum Ruhe und Großzügigkeit.

Auch Licht, Spiegel und Materialität sind entscheidend. Hinterleuchtete Spiegel, indirekte Beleuchtung oder ruhige, natürliche Farbtöne können ein kleines Bad deutlich größer und wohnlicher wirken lassen.

Eine gute Atmosphäre hängt nicht automatisch vom Budget ab. Oft sind es die durchdachten Details, die einen Raum verändern.

Man kann bereits mit Licht, Farbnuancen oder einer klareren Organisation viel erreichen. Auch bewusst eingesetzte Materialien oder Spiegel können einen Raum stark aufwerten. Wichtig ist vor allem ein roter Faden. Also dass Entscheidungen zusammenpassen und ein stimmiges Gesamtbild erzeugen.

Innenarchitektur entsteht aus vielen kleinen Entscheidungen an den richtigen Stellen.

Authentizität entsteht nicht durch offensichtliche Symbole oder Dekorationen. Es geht nicht darum, möglichst „japanisch“ auszusehen.

Entscheidend sind vielmehr Ruhe, Materialität, Licht und Klarheit. Ein authentischer Raum braucht Luft zum Atmen. Nicht jede Fläche muss bespielt oder dekoriert werden.

Wichtig ist außerdem eine bewusste Auswahl von Materialien und Produkten. Räume wirken dann hochwertig, wenn sie reduziert, durchdacht und ehrlich gestaltet sind.

Japan Bad Toto Flora Immler Studio Ukiyo  7